Der Herbst beginnt

Draussen ist es heute nasskalt und es schauert immer wieder. Ein kalter Wind weht um die Ecke. Es fröstelt mich draussen und der geplante Spaziergang fällt für heute im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Willi und ich haben uns deshalb in das Wohnzimmer zurückgezogen und den Kamin angemacht. Muckelig warm ist es jetzt. Für Willi ist das viel zu warm, er wischt sich die Schweisstropfen von der Stirn.

Ja, wo ist er denn hin, der Sommer? Für dieses Jahr endgültig vorbei oder macht er nur mal eine kleine Pause? Etwas wehmütig denken wir an solchen nassen Tagen bestimmt alle an den langen und heissen Sommer des vergangenen Jahres. Draussen sein an einem schönen warmen Tag, wenn die Sonne vom Himmel lacht, das ist doch herrlich. 

Doch egal, wie das Wetter in den nächsten Tagen wird. Wir behalten unsere gute Laune. Sollte es noch einmal sommerlich werden, dann werden wir das alle geniessen. Sollte jedoch der Herbst Einzug halten, so freuen wir uns auf eine wunderbare herbstliche Zeit. Wer hindert uns denn daran, draussen oder auch vom Fenster aus den bunt gefärbten Blättern zuzuschauen, wenn sie sich von dem Bäumen lösen und zu Boden flattern. Bestimmt wird auch ohne sommerliche Temperaturen an vielen Tagen eine angenehme Herbst-Sonne vom Himmel lachen.

Der Herbst bringt doch auch viel Schönes mit sich. Die bunten fallen Blätter habe ich schon erwähnt. Schaut mal auf die Wiesen und die Felder, von denen die letzte Ernte eingefahren wird oder sich bereits in den Scheunen der Landwirte befindet. Spätes Obst, wie die Apfelernte steht vielerorts noch bevor. Herbstblumen, wie die bunten Astern, erfreuen uns im Garten. Und bald feiern wir das Erntedankfest. Freuen wir uns doch auf alles, was die kommenden Tage Schönes für uns bereithalten.

Gerne habe ich für euch eine Geschichte vom beginnenden Herbst aufgeschrieben. Ich freue mich, wenn sie euch gefällt und wünsche euch viel Freude beim Lesen. Denkt auch daran, wir werden von unseren Engeln und der Geistigen Welt zu jeder Jahreszeit behütet und beschützt. 

Ich wünsche euch allen eine gute Zeit und sonnige Herbsttage. Eure Rita

 

 Erntedank

Hektisches Treiben. Auto hupen, Viele Menschen sind auf den Strassen. Alle drängen an dir vorbei, weil sie anscheinend irgendwo einen vermeintlich wichtigen Termin wahrnehmen müssen.

Du willst der Enge, der Hektik der Stadt entfliehen und beginnst eine Wanderung zum Stadtrand. Alles nervt dich heute, selbst deine Familie wird dir heute zuviel. Dein Kopf brummt, deine Glieder schmerzen. Jeder zieht und zerrt an dir herum und du willst nur noch Ruhe.

Vielleicht findest du sie da draussen, dort, wo es Felder und Wiesen gibt.  Du machst dich auf den Weg. Fast rennst du, um den Lärm, den Strassenstaub hinter dir zu lassen. Schnell hast du die Stadt hinter dir gelassen. Kaum bist du der Stadt entflohen, stehst du inmitten der Natur und du sofort wirst ruhiger. Der Stress fällt von dir ab. Und du fängst an, die Stille in dir anzunehmen. Ruhig beginnst du zu atmen.

Dann stehst du bereits mitten im Feld. Eine kühle Windböe erfasst dich und du beginnst zu frösteln. Es ist dir in der dünnen Jacke, die du bei deinem hastigen Aufbruch mitgenommen hast, zu kalt und du ziehst sie enger um dich.

Ja, es sind die Vorboten des Herbstes. Der Herbst, der mit Riesenschritten naht und das Ende des Sommers verkündet. Auf der grossen Wiese vor dir befindet sich eine Schafherde. Die Schäfchen knabbern an den letzten Grasstoppeln. Zwei schwarze Hütehunde halten die Herde zusammen. Der Schäfer, der sich auf seinen Schäferstab stützt und der Idylle zuschaut, kommt zu dir, um ein paar Worte zu wechseln. Er erzählt dir, dass er nur noch wenige Tage da ist und dann seine Schafherde in ihr Winterquartier bringen wird.

Du winkst dem freundlichen Mann einen Gruss zu und wanderst weiter zu einem grossen Getreidefeld. Goldgelbe Ähren wiegen sich im Wind und können kaum die Schwere der vollen Halme tragen. Zwischen dem Getreide leuchten bunte Blumen. Wunderschöne gold-weisse Margeriten, Roter Klatschmohn und blaue Kornblumen wippen im Wind und nicken dir zu. Sicherlich wird das Feld in den nächsten Tagen abgemäht. Denn bald ist Erntedank. Du freust dich auf dieses Fest, das in deinem kleinen Wohnort jedes Jahr recht beschaulich gestaltet wird.

Auf einer kleinen Bank am Feldrand lässt du dich nieder und schliesst die Augen. Die Herbstsonne, die schon tief steht, wärmt dir dein Gesicht. Im Kornfeld raschelt der Wind und du könntest ewig so sitzen.

So friedlich ist es hier. Weit in der Ferne hörst du leise einen mehrstimmigen Gesang. Du lauscht, sieht aber nicht, wo sich die Sänger befinden, die dieses melodische Lied angestimmt haben. Also erhebst du dich von der Bank und verlässt das deinen Sitzplatz. Du läufst ein kurzes Stück durch den angrenzenden Feldweg und folgst der Melodie. Bald wird der Gesang lauter und du erreichst eine grosse Wiese, auf der Schnitterinnen und Schnitter das gemähte, zu Heu gewordene Gras mit hölzernen Gabeln auf einen grossen Holzwagen verladen. Zwei kräftigen Pferde stehen davor.

Du schaust dir das fleissige Völkchen an. Die Männer tragen karierte Hemden und Hosen, die von breiten Hosenträgern gehalten werden. Die Frauen tragen bunte Blusen und weite Röcke, die bis zu den Waden reichen. Die meisten schützen sich mit grossen Strohhüten vor der noch kräftigen Herbstsonne. Die Frauen haben sich geschmückt mit bunten Blumenketten, die sie um den Hals tragen.

Obwohl dir die Arbeit recht schwer erscheint, singen die Menschen aus voller Brust ihre Lieder. Als eine Frau dich bemerkt, begrüsst sie dich freundlich und sie holt dich zu ihren Leuten. „Komm“, sagt sie. „Komm, schau uns zu und hole dir die Kraft der Wiese. Ruhe dich aus und atme den Duft des frischen Heus. Es duftet so gut. Wir machen auch gleich Pause und du bist herzlich eingeladen, unsere herzhafte Vesper mit uns zu teilen“.

Nur zu gerne folgst du dieser freundlichen Aufforderung und lässt dich im Kreis der freundlichen Leute nieder. Aus karierten Tüchern holen die Frauen dunkles Bauernbrot, Speck und grosse Gurken, während die Männer aus grossen schweren Kannen Malzkaffee in Becher giessen. „Greif zu“, ermuntern dich die freundlichen Menschen. Du lässt dich nicht lange bitten und langst kräftig zu. Du hast das Gefühl, dass dir eine Vesper noch nie so gut geschmeckt hat. Es ist herrlich, inmitten des duftenden Heus zu sitzen und mit den fleissigen Menschen ihr Mahl zu teilen.

Nach der Vesper räumen die Leute die Reste wieder in die grossen karierten Tücher und legen sie beiseite. Die Frau, die dich zur Vesper mitgenommen hat, spricht noch einmal zu Dir: „Wir werden jetzt das restliche Heu auf den Wagen laden. Wir laden dich herzlich ein, den Nachmittag mit uns zu verbringen. Setz dich ins Heu, ruhe dich aus oder schaue uns zu“.

Das machst du sehr gerne. Du bleibst im duftenden Heu sitzen und atmest tief den kräftigen Duft ein. Das tut so gut. Und du atmest tief ein.

Dann lässt du dich einfach nach hinten ins Heu fallen und schaust nach oben. Blau ist der Himmel und dicke weisse Wolken türmen sich immer wieder in anderen Formationen auf. Du siehst dauernd neue Figuren, die sich aus den Wolken bilden. Eine alte Frau mit spitzer Nase, ein Mann mit Hut. Und da, diese Wolke sieht aus wie ein Kaninchen. Dann wiederum meinst du, eine Katze zu erkennen. Immer neue Figuren bilden sich aus den Wolken und plötzlich meinst du, dass sich die Wolken zu einem weissen Engel mit grossen Flügeln formen.

Dann werden deine Lider schwer. Die Augen fallen dir zu. Aus der Ferne hörst du wie durch Watte den Gesang der fleissigen Leute. Dann schläfst du tief und fest. Und du nimmst den Geruch des duftenden Heus mit in deinen tiefen Schlaf.

Als du nach einiger Zeit erwachst, steht die Sonne schon tief am Himmel. Von irgendwo her hörst du Abendglocken läuten. Das Heu ist komplett verladen und die guten Menschen machen sich auf den Weg nach Hause, um das Heu einzubringen. Die nette Frau fragt dich, ob du den Zug ein Stück begleiten willst. Du nickst und läuft mit den anderen Leuten hinter dem Heuwagen her.

Schaukelnd setzt sich der Wagen in Bewegung. Die beiden gutmütigen Pferde, die den Wagen ziehen, haben ihren eigenen Rhythmus. Du fühlst dich so wohl und freust dich, dass du den Heuwagen und die netten Menschen begleiten darfst. Es geht vorbei an bereits abgeernteten Feldern und Wiesen, auf denen das abgemähte Gras noch zum Trocknen liegt.

Verstohlen musterst du die nette Frau, die sich die ganze Zeit um dich gekümmert hat und nun neben dir geht. Du hattest bereits bemerkt, dass sie wunderschöne tiefblaue Augen hat. Ihre dunkelblonden Haare hat sie zu einem dicken Zopf geflochten, der fröhlich unter ihrem Strohhut wippt. Ihr langer Rock und ihre weite Bluse sind voller Heufäden. Ihre Haut wirkt zart, trotz der anstrengenden Arbeit und ihr ganzes Aussehen hat fast etwas Überirdisches.

Neugierig fängst du ein Gespräch an. Woher sie und die anderen Helfer und Helferinnen kommen und wohin sie denn gehen. Und warum das Heu noch auf diese altmodische Weise eingebracht wird. Die Frau lächelt dich freundlich an, zieht dich zum Wegerand und bleibt mit dir dort stehen. Während dessen zieht der Heuwagen mit den Menschen langsam weiter.

Dann spricht sie zu dir. „Wir sind die Helferinnen und Helfer der Engel, die die Natur verwalten und für Wachstum sorgen. Diese Engel unterstützen die Natur im Aufblühen, halten im Auftrag von Gott und der Geistigen Welt Unwetter von uns fern. Sie helfen bei einer gedeihlichen Frucht und stehen den Menschen mit Rat und Tat zu Seite. Wir sind die Helfer in der Natur, man nennt uns auch Naturgeister, Feen, Elfen, Devas oder wie immer ihr Menschen uns nennen wollt. Unsere Aufgabe ist es, die Engel bei der Bewahrung der Natur zu unterstützen. Deshalb versuchen wir immer wieder, die Natur mit den alten Methoden neu zu beleben. Du kannst uns heute wahrnehmen, weil deine Zeit gekommen ist. Besonders ist dies möglich zu Zeiten des Umbruchs, wenn sich die Jahreszeiten teilen, so wie jetzt, wenn der Sommer zu Ende geht und der Herbst beginnt.

 Die Frau hält kurz inne und schaut dich an. Sie reicht dir beide Hände und spricht noch einmal zu dir: „Jetzt muss ich zu den Meinen und auch du gehe zurück zu den deinen. Schaue, dort ist der Weg zu Ende und du befindest dich gleich auf deinem Heimweg.“

Du bedankst dich bei ihr für den wunderschönen Nachmittag. Die Frau, oder ist sie eine liebevolle Elfe, spricht noch einmal zu dir. „Denke daran, du kannst dich jederzeit wieder hier zurück träumen, wenn dir danach ist. Habe keine Scheu, wir, die Engel und dein Schutzengel sind jederzeit für dich da. Wir richten dich auf, wenn dich das Leben beugt. Wir halten dich, wenn du strauchelst. Wir zeigen dir deinen Weg, wenn du ihn nicht mehr findest. Wir nehmen dich in den Arm, wenn du Liebe suchst. Habe Vertrauen zu dir selbst und zur geistigen Welt, denn du bist nie allein.“ Nach diesen Wortn verlässt sie dich und geht mit schnellen Schritten dem Heuwagen und dessen Begleitern hinterher.

Du winkst ihr und dem Heuwagen noch lange nach. Heu und Kornblumen hängen noch an deiner Kleidung und in den Haaren, genauso wie der Geruch des duftenden Heus. Du schaust ihr und dem Zug noch eine Weile hinterher, bevor du sie alle nach einer Wegebiegung aus den Augen verlierst. Dann gehst du zu dem Weg, der dir gezeigt wurde. Gleich hat sie dich wieder, die lärmende Stadt voller Hektik und Stress.

Du stehst auf die Strasse, die dich in die Stadt zurückführt. Du nimmst den Weg zurück in die Stadt, zu deiner Wohnung. Jetzt freust du dich aufs Wiedersehen mit den Deinen. Die Erinnerung des Erlebten begleitet dich und du weisst, du wirst dich schon bald wieder zurückträumen in diese wunderbare Welt mitten in der Natur.

Nun aber führt dich dein Weg zurück in die reale Welt. Die Liebe und das Licht deines Engels begleiten dich. Frohgemut wanderst du in das beginnende Abendrot. Du weisst jetzt, du wirst behütet und beschützt. Und du weisst auch: Alles ist gut.

 

 Bilder:   1.    Mit freundlicher Genehmigung von Annemarie Cornelius, Melkhus Seeverns/Butjadingen

               2.   Willi bei den Schafen an der Seefelder Mühle, Stadland

               3.   Mit freundlicher Genehmigung von Annemarie Cornelius, Melkhus Seeverns/Butjadingen

               4.   Herbstsonne am Strand von Eckerwarderhörne/Butjadingen

               5.    So weit das Land - Herbst im Butjender Land