Gänseblümchen und Apfelbaum

Es ist im Moment schon eine seltsame Zeit. Wann wird sie vorbei sein?  Draussen ist es Frühling geworden - einfach so hat er fast über Nacht Einzug gehalten. Geniesst doch jetzt einfach seine Sonnenstrahlen. Geniesst, dass die Natur bunte Blüten treibt, dass die Bäume und Sträucher grüne Blätter zeigen. Freut euch auf Ostern, auf die Tage im April - trotz allem. Ich wünsche euch dafür alles Gute. 

Denkt daran, zu jeder Zeit werden wir von von unserem Schöpfer, der Geistigen Welt und allen Engeln behütet und beschützt. kommt gut durch den April. Ich wünsche Euch dafür alles Gute und bleibt alle  gesund.

Ich habe für unsere Mutter Erde, Gaia, ein kleines Gedicht geschrieben und für Euch ein kleines Märchen. Ich freue mich, wenn es Euch gefällt.

  

 Gedicht für Gaia

Schau da draussen im Garten, die Blümchen sollten nicht länger warten;
schau, es ist wahr, endlich ist der Frühling da;
ja, der Frühling ist da.

Bäume und Sträucher, sie treiben aus, ihre Knospen wollen raus
Blumen erblühen in wahrer Pracht, dort flattern Schmetterlinge ganz sacht.
Farbenfroh wird die Natur, vom blauen Himmel scheint die Sonne pur.

Es brummen und krabbeln um die Wette Hummel, Bienchen, Käferlein.
Freuen sich des Lebens und sind sie auch noch so klein.
Die Vögelchen im hohen Baum zwitschern ihre heitere Weise;
trällern ihre Lieder - mal laut und auch leise.

Und abends, wenn die Nacht erwacht,
Passe gut auf und gib fein acht.
Dann tanzen die Elfen Ringelrein.
Möchtest du gerne bei ihnen sein?

Du, Menschenkind, schaust in die erwachte Natur.
Du siehst das Wachsen, das Leben, die Lebensfreude pur.
Dann vergiss deine Traurigkeit und deine Sorgen,
denn bald schon ist ein neuer Morgen.

Die Erde steht nicht still, sie atmet nur durch.
Sei deshalb ohne jegliche Furcht.
Denn die Welt erwacht zu neuem Leben.
Wir werden uns alle wiedersehen.

Gemeinsam tanzen wir in der Sonne und bei Regen,
wir freuen uns auf unser Wiedersehen.
Vor Freude umarmen wir uns von ganzem Herzen.
Wir singen zusammen, lachen und scherzen.

Darum gönne Gaia eine kleine Pause zum Verschnaufen.
Lasse die Dinge doch einfach mal laufen.
Die Welt hält den Atem an und die Erde atmet auf.
Sei noch etwas geduldig, das Schicksal nimmt seinen Lauf.

 

Gänseblümchen und Apfelbaum

Dort draussen, gleich hinter dem kleinen Ort, beginnt die grosse Wiese. Da, am Rand vor dem grossen Blätterwald, gibt es eine wunderschöne Stelle mit alten Bäumen, einem Insektenhotel und vielen bunten Blümchen, die vom Frühjahr bis weit in den Herbst hinein blühen.

An einem schönen Nachmittag, die Sonne schien von einem strahlend blauen Himmel und der Frühling hatte gerade begonnen, erwachte das kleine Gänseblümchen mitten auf der grossen Wiese aus dem Winterschlaf. Herzhaft gähnte es, streckte und reckte seine kleinen grünen Blätter. Dann breitete es seine feinen weissen Blütenblätter aus, so dass es seine wunderschöne gelbe Blüte der Sonne entgegen strecken konnte.

Nach einer Weile schaute sich das kleine Blümchen auf der Wiese um. Wo waren denn seine vielen Brüder und Schwestern? Kein anderes Gänseblümchen war zu sehen. Es kam sich sehr einsam vor so alleine zwischen wuscheligen Grashalmen. Etwas weiter weg war nur ein sumpfige Stelle im Gras zu sehen, wohl noch ein Überbleibsel des letzten Winters. Die Sonnenstrahlen der letzten Tage hatten es noch nicht geschafft, diese Stelle abzutrocknen.

Daneben stand eine alte hölzerne Bank, über die sich der alte weise Apfelbaum wölbte. Er hatte noch keine Blüten und noch gar keine Blätter ausgetrieben. Seine Zweige, an den sich jedoch prall gefüllte Knospen befanden, ragten kahl in den blauen Himmel. Ein einsamer gelber Zitronenfalter flatterte über dem Köpfchen des Blümchens hinweg. Sonst war nichts zu sehen.

Das kleine Blümchen erinnerte sich. Früher waren doch hier immer Menschen unterwegs. Aber auch von denen war keiner zu sehen. Seltsam, gerade wenn die Sonne schien, war doch hier immer so viel los gewesen. Es und seine Geschwister mussten sich sehr in acht nehmen, dass sie von den grossen Schuhen der Menschen nicht zerquetscht wurden. Irgendwie war aber in diesem Jahr alles anders.

Eine dicke Hummel näherte sich dem Gänseblümchen, flatterte laut brummend im Tiefflug vorbei und reagierte überhaupt nicht auf das Rufen des Blümchens. Dann kam ein kleines Kaninchen angehoppelt und schnupperte sich durch das Gras. „Hallo, kleiner Hoppelmann“, rief das Blümchen. „Magst du denn nicht ein wenig bei mir bleiben? Ich fühle mich so einsam. Meine Brüder und Schwestern schlafen noch in der Erde. Die Insekten sind noch nicht da. Und auch Menschen sind nicht zu sehen. Halten die auch Winterschlaf?“

Der kleine Mümmelmann wackelte verlegen mit den Ohren, denn er wusste auch nichts. „Frage doch mal da hinten den den grossen Apfelbaum, der ist sehr weise“, antwortete er und hoppelte dann schnell davon.

Das kleine Gänseblümchen schüttelte seine weissen Blütenstrahlen und konnte es nicht verstehen. Dann fasste es sich ein Herz, räusperte sich leise und rief dann zum Apfelbaum hinüber: „Hallo, alter weiser Apfelbaum, darf ich dich was fragen?“ Der Apfelbaum schreckte hoch, denn er hatte ein wenig in der lauen Frühlingssonne vor sich hingedöst. „Natürlich“, rief er zu der kleinen Blume hinüber. „Was möchtest du denn wissen?“. „Kannst du mir vielleicht sagen, wann meine Geschwister aufwachen und anfangen zu blühen? Kannst du mir auch sagen, wo denn die vielen Insekten geblieben sind? Und vor allen Dingen, kannst du mir verraten, wo sich die vielen Menschen, die hier immer herumgelaufen sind, versteckt haben?“

Der Apfelbaum überlegte kurz und begann dann langsam und bedächtig zu antworten. „Nun, kleines Blümchen, bis vor wenigen Tagen war es hier noch sehr kalt. Es hat viel geregnet. Du siehst ja selbst, wie nass und sumpfig die Wiese noch ist.“ Mit seinen Zweigen zeigte er auf die vielen nassen und sumpfigen Stellen im Wiesenboden.

Dann erzählte er weiter: „Erst vor wenigen Tagen hat sich der Frühling durchgesetzt und Einzug im Land gehalten. Und du kleiner Naseweis hast als erstes Blümchen dein vorwitziges Köpfchen aus der Erde gestreckt.“

Der Baum war einen Moment still und lächelte das kleine Gänseblümchen an, bevor er weitersprach. „Ja, die vielen Insekten haben auch abgewartet bis es wärmer wurde. Aber einige sind schon da, du musst nur genau hinschauen.“ Der Baum deutete mit einem seiner Zweige neben sich und tatsächlich, da war ein kleiner Schwarm von Insekten, die lustig in den wärmenden Sonnenstrahlen tanzten. Das war dem Gänseblümchen noch gar nicht aufgefallen.

Es schaute sich jetzt seine Umgebung ein wenig genauer an. Natürlich, da zu seinen Füssen, krabbelte ein kleiner Käfer über die kreuz und quer liegenden Grashalme. Daneben waren einige Ameisen unterwegs. Nicht weit von ihm sass eine schwarze Amsel mit einem gelben Schnabel neben einem Gebüsch und hörte sehr interessiert zu, was denn das Blümchen und der alte Baum so miteinander zu erzählen hatten.

Staunend sah das kleine Gänseblümchen, wie nach und nach das Leben auf der Wiese erwachte. Die grünen Grashalme wiegten sich im Wind. Die schwarze Amsel war inzwischen in den alten Apfelbaum geflattert und hatte es sich auf einem der Äste bequem gemacht. Dann stimmte sie munter ihr fröhliches Gezwitscher an. Bestimmt wollte sie auch mit dem alten Baum erzählen.

Nach einer Weile begann das Blümchen noch einmal mit seinen Fragen. „Du, alter Baum, du hast mir noch nicht erzählt, wo denn die ganzen Menschen sind. Verrätst du mir das noch?“. Bittend schaute die kleine Blume zum Apfelbaum. Der schwieg noch einen Augenblick und runzelte seine Borke. Dann begann er bedächtig zu sprechen.

„Weisst du, liebes Gänseblümchen, die Menschen müssen sich im Moment eine Auszeit nehmen. Es ist so, als ob sie auch einen Winterschlaf halten. Unser aller Mutter Erde wurde so von ihnen strapaziert, dass sie sich etwas erholen muss, um einmal durchzuatmen. Aber das ist eine andere lange Geschichte. Die erzähle ich dir ein andermal. Glaube es mir, die Menschen kommen wieder und vielleicht“, der Baum machte eine kleine Pause, bevor er weitersprach, „ja ganz bestimmt passen sie dann besser auf sich, auf ihre Umwelt und auf uns alle auf.“

„Nun aber, kleines Blümchen, gehe schlafen. Die Sonne geht langsam unter. Du hattest einen langen Tag und bist noch klein und zart. Mache deine Augen zu und ruhe dich aus.“ Der Baum reckte seine Zweige zur untergehenden Sonne und schwieg. Das Gänseblümchen merkte jetzt, dass es sehr müde war. Es legte seine weissen Blütenblätter über sein Köpfchen und war schnell eingeschlafen.

Als das kleine Blümchen am anderen Morgen nach einem langen und tiefen Schlaf erwachte, war es nicht mehr allein. Viele seiner Schwestern und Brüder waren inzwischen auch aufgewacht und begannen, ihre weissen Blütenblätter der aufgehenden Sonne entgegenzustrecken. Es war noch früh am Morgen und Tau benetzte die grosse Wiese. Ein letzter Nebelschwaden löste sich gerade in den Sonnenstrahlen auf. Wieder war der Himmel strahlend blau und ein neuer wunderschöner Frühlingstag begann.

Freudig begrüssten sich die Geschwister und nickten sich mit ihren gelben Köpfchen zu. Das kleine Gänseblümchen schaute in die sumpfige Pfütze am Wiesenrand. Dort verabschiede sich gerade laut vor sich hinquakend ein kleiner Frosch und machte sich auf den Weg zur anderen Strassenseite. Die ersten Insekten machten sich summend und brummend bemerkbar. Ach ja und die schwarze Amsel mit dem gelben Schnabel sass auf einem Ast des Apfelbaumes und sang ihr Morgenlied. Auf dem Wiesenboden tummelten sich Käferchen und Ameisen. Der alte Apfelbaum war auch schon erwacht und sah dem munteren Treiben lächelnd zu.

Nur die Menschen fehlten noch. Aber die kommen auch bald wieder – ganz bestimmt. Aber wie der alte weise Apfelbaum sagte – das ist eine andere Geschichte, die ein anderes Mal erzählt wird.

Bilder: Lämmerspiel im Feld Ende März und Anfang April