Herbststimmung

Wo bleibt er denn nun – der Goldene Oktober. Hat er sich verlaufen? Oder verflogen? Schade, denn so ein schöner sonniger Oktober lässt doch das Herz aufgehen. Wenn sich die morgentliche Dämmerung auflöst und hinter den Wolken kommt eine rot-goldene Sonne hervor, die ihre Strahlen auf die bunten Blätter lenkt, die von den Bäumen fallen – das ist doch wunderschön. Nun, es ist halt nicht so, zumindest derzeit nicht. Wir haben Regen, Regen und nochmals Regen. Stürmisch war es auch schon, im Norden gab es bereits Sturmflut.

Also, dann machen wir das Beste daraus und stellen uns eine rot-goldene Sonne vor, die auf uns scheint und unsere Herzen erhellt. Malt euch die Regentage rot-golden an. Dann geht es uns allen gleich besser. Und – vielleicht kommt er ja dann doch noch, der Goldene Oktober.

Ich wünsche euch allen eine gute Zeit.

Eure Rita

 

Herbststimmung

Ein diesiger Herbsttag. Du bist an deinem freien Tag ins nächstliegende Mittelgebirge gefahren, um vielleicht einige herbstliche Sonnenstrahlen zu erhaschen. In einem kleinen Ort machst du Halt und lässt dir in einem kleinen Landgasthof ein deftiges Mittagessen schmecken.

Danach schaust du dich in der kleinen Ortschaft ein wenig um. Ein rauer Wind, wohl das Überbleibsel des vorangegangenen Sturms, bläst unangenehm durch die Strassen. Am Ortsrand bleibst du vor einem kleinen Sägewerk stehen. Die kreischenden Töne einer Säge, die sich durch Holz frisst, erreichen deine Ohren. Der Geruch von Holz und Sägespänen liegt in der Luft.

Dann fängt es ganz plötzlich an, heftig zu regnen. Was kannst du jetzt tun? Bis du im Ortsinneren zurück sein wirst, bist du vollkommen durchnässt. Deshalb rennst du ganz schnell auf das Gelände des Sägewerkes, um dich unter einem schützenden Vordach unterzustellen.

Aus einer kleinen Seitentür des Gebäudes kommt ein grosser hagerer Mann heraus. Als er dich im Regen unter dem schmalen Vordach stehen sieht, hält er dich am Arm fest und zieht dich in seine Werkstatt. Die Säge lärmt noch immer und wird vom ihm schnell abgestellt.

Bevor der Mann etwas sagen kann, fängt er laut an zu niesen. -  haptschieee. Aus der grossen Tasche seines grauen Kittels holt er ein rot-kariertes Taschentuch und schnäuzt sich mehrfach. Dann niest er munter weiter.

Während seiner Niesattacke musterst du den Mann ungeniert. Er steht jetzt - mit seinen festen klobigen Schuhen - in kleinen Häufchen von Sägespänen. Er trägt eine graue Cordhose, einen grauen Strickpullover, der voller Sägespäne ist. Darüber hat er einen grauen Kittel an, der vorne offen steht. Er hat ein schmales Gesicht, in das ihm wirr dunkle Haarsträhnen seines schon schütteren Haupt-Haares fallen. Seine Nase ist lang, spitz und feuerrot. Er trägt eine randlose Brille, die er jetzt abnimmt und dich anschaut.

Du stellst deine Musterung ein und wirst rot, weil du dich ertappt fühlst. „Wohlsein“, wünschst du ihm. Der Mann hat endlich sein Niesorchester eingestellt und reicht dir die Hand. „Guten Tag, ich ….“. Weiter kommt er nicht, denn er fängt wieder mit heftigem Niesen an. Mittlerweile steht ihm das Wasser in den Augen. Wieder schnäuzt er geräuschvoll in sein grosses Taschentuch. „Entschuldigung“, sagt er dann. „Aber der Holzstaub und das nasse Wetter, da habe ich immer wieder diese Niesanfälle - in dieser feuchten Jahreszeit.“

Dann bittet er dich, ihm in sein Büro zu folgen. Dort kannst du warten, bis es sich ausgeregnet hat. Noch einmal schnäuzt sich der Mann geräuschvoll, bevor er dir die Tür zu seinem Büro aufhält. Du schlüpfst in den kleinen Raum, in dem es wohlig warm ist.

In dem winzigen Büro, das du gerade betreten hast, steht mittig ein grosser Schreibtisch, übervoll mit Akten bepackt. Von hier aus kannst du durch das grosse Fenster das ganze Aussengelände des Sägewerkes überblicken. An zwei Wänden des Büros stehen Aktenschränke, an einer weiteren Wand sind verschiedene Teile aus Holz, kleine Paletten und Kistchen abgestellt. Das ganze Büro wirkt etwas antiquiert, staubig, hat aber einen gewissen ansprechenden Charme.

Der Mann führt dich durch das Büro zu einem angrenzenden Raum. Hier steht eine ältere Sitzgruppe, die bestimmt schon bessere Zeiten gesehen hat. Das Zimmer ist jedoch anheimelnd. Der kleine graue Couch und zwei graue Sesseln, alles schon ziemlich verschlissen, und der kleine runde Tisch vermitteln eine urige Gemütlichkeit. An der Wand steht eine kleine Anrichte. Darauf stehen eine Kaffeemaschine, Kannen und etwas Geschirr. Daneben befindet sich ein kleines Waschbecken. In einer Ecke des Raumes bullert ein grosser Eisenofen vor sich hin und verströmt angenehme Wärme. Neben dem Ofen steht ein grosser Korb mit Holzabfällen.

Schnell befreist du dich von deiner Jacke, jetzt ist dir doch sehr warm. Den angebotenen Platz nimmst du gerne an und lässt dich auf der Couch nieder. Du versinkst fast in dem ausgeleierten Polster.

Der Mann, du vermutest den Sägewerksbesitzer, zieht seinen grauen Kittel aus, legt ihn über einen der Sessel und hantiert an einer Kanne und dem Geschirr. Dann reicht er dir eine grosse Tasse mit einer dampfenden Flüssigkeit.

„Hier, wärme dich an einer schönen Tasse Kräutertee.“ Aus einer Schublade der Anrichte kramt er ein frisches grosses rotkariertes Taschentuch hervor. Wieder niest er, jedoch nur ein paarmal.

Die Wärme scheint auch ihm gut zu tun. Mit einer eigenen Tasse heissem Tee setzt er sich dann in einen Sessel dir gegenüber und fragt nach deinem Woher und Wohin. Gerne beantwortest du seine Fragen.

Dann prostet er dir mit seiner Tasse zu. Du trinkst und spürst die angenehme Wärme des äussert wohlschmeckenden Tees. Du schnupperst an der Tasse und spürst den intensiven Duft von vielen Kräutern. Ach, tut das gut. Wieder atmest du tief den Duft der Kräuter ein, bevor du einen weiteren grossen Schluck des Tees nimmt.

Du schaust hinüber zum bullernden Ofen. Ein Sichtfenster erlaubt dir den Blick auf die lodernden Flammen. Das brennende Holz knackt lustig vor sich hin. Fasziniert schaust du dem Feuer zu. Es ist hier in diesen Räumchen so gemütlich und gerne möchtest du noch ein Weilchen bleiben

Du schaust dann wieder zu deinem Gegenüber und setzt deine Musterung fort. Der Mann in seiner grauen Kleidung trägt als einzigen Farbtupfer das rot-karierte Schnupftuch aus Stoff. Es hängt inzwischen halb aus seiner Kitteltasche. Nein, das mit dem einen Farbtupfer stimmt nicht ganz. Da ist ja noch seine grosse leuchtend rote Nase. Still schmunzelst du in dich hinein.

Seltsam - der Mann niest ja gar nicht mehr. Forschend schaust du ihm ins Gesicht. Der Mann lächelt dich plötzlich an. Das Lächeln ist so herzlich und erfrischend. Es ist fast so, als gehe an diesem nebligen nass-kaltenTag plötzlich die Sonne auf. Die Sonne, die du heute so gesucht hast.

Du lächelst zurück und fühlst dich sehr wohl. Leicht und warm wird dir um das Herz und du kannst nicht sagen, warum.

Du schaust aus dem Fenster. Es regnet nicht mehr, und es wird Zeit für dich zu gehen. Schnell trinkst du deine Tasse aus, erhebst dich und ziehst deine Jacke wieder an. Du musst ja zurück und willst noch vor Einbruch der Dunkelheit wieder nach Hause fahren.

Auch der nette Sägewerks-Inhaber stellt seine Tasse ab und begleitet dich bis zum Ausgang. Herzlich schüttelt er dir zum Abschied die Hand und sagt: „Ich weiss, dass du heute die Sonne gesucht hast. Wenn ich dir noch einen Rat mitgeben darf. Wenn dir die Welt grau in grau erscheint, du dich einsam und gestresst fühlst, dann ziehe dich für einen Augenblick in deine eigene Welt zurück. Mache eine Pause vom Alltag, vielleicht bei einer Tasse Tee. Denke dich an einen Ort, der dir gefällt und wo du dich wohlfühlst. Lasse die Seele baumeln, atme tief ein und aus, gib deine Sorgen tief in die Erde ab. Stelle dir vor, die Sonne scheint auf dich. Du wirst sehen, wie schnell es dir wieder besser geht. Nun aber mache dich auf den Heimweg. Alles Gute und gute Fahrt.“

Du trittst hinaus auf den weitläufigen Hof und schaust in den Himmel. Immer noch ist es diesig und die Luft ist feucht-kalt. Doch es stört dich nicht mehr. Du winkst deinem netten Gastgeber noch einmal zu, bevor dieser die Tür hinter dir schliesst.

Beschwingt läufst du zur Ortsmitte und zu deinem Fahrzeug zurück. Schon wieder hat es angefangen zu nieseln. Der Duft von frischen Sägespänen und Holz, vermischt mit feuchten Gräsern und Blättern, begleitet dich auf deinem Weg. Tief atmest du ein und aus.

Du streckst dein Gesicht dem Regen entgegen und schaust noch einmal in den Himmel. Da - jetzt siehst du einen zaghaften kleinen Sonnenstrahl, der die zart über das Gesicht streicht. Du geniesst diesen kleinen Augenblick in der Sonne. Dann steigst du schnell in deinen Wagen und fährst zurück. Du denkst zurück an den schönen Tag hier draussen auf dem Land und schneller wie gedacht bist du wieder daheim.

Eure Schutzengel begleiten euch auch im Oktober. Mag er nun golden oder verregnet sein.

Bilder:

Oktober am Siel bei Eckerwarderhörne/Butjadingen

Oktober bei uns im Lämmerspieler Blätterwald

Regen und Sturm im Herbst in Butjadingen

Auf Regen folgt der Sonnenschein mit Regenbogen, Herbst in Butjadingen

Sonniger Herbsttag am Rennsteig/Thüringen

Oktober-Tage in Tabarz/Thüringen