Im Zauberwald

Titelbild: Neuenburger Urwald, Zetel/Friesland

Im Mai waren mein Mann Willi und ich wieder einmal an unserer heissgeliebten Nordsee.  Auf der Halbinsel Butjadingen, gelegen zwischen Jadebusen und Bremerhaven, an der niedersächsischen Nordseeküste finden wir seit Jahren das, was wir suchen: Weites Land, die Nordsee mit Ebbe und Flut, ländliche Idylle, Erholung pur. Hier fühle ich mich der Geistigen Welt, den Engeln, den Naturgeistern besonders nah.

Immer wieder entdecken wir hier neue Stellen und Plätze. Manches wird uns von anderen Gästen oder Einheimischen empfohlen. Bei einem Besuch in Bremerhaven wollten wir einen der zahlreichen Parks aufsuchen. Durch eine gesperrte Strasse und die dadurch irritierte Navigation landeten wir dann im Bürgerpark, einem grossen, wunderschön angelegten Bereich mit Lehrpfad, Tiergehege, voll in der Blüte stehenden Rhododentren und breiten Wanderwegen. Viele Bänke laden zum Verweilen ein. Wir durchwanderten wirklich nur einen kleinen Bereich des Parks und haben viel gesehen. Zum Schluss landeten wir an einem kleinen Weiher. Dort sassen wir in der Sonne auf dem Gelände des anliegenden Bootshauses und tranken Kaffee, bevor wir uns wieder auf den Heimweg machten.

 Bild: Eingangsbereich Neuenburger Urwald, Zetel/Friesland

Es war ein erlebnisreicher Nachmittag und wieder mal hat uns der Zufall (es ist uns zu-gefallen) dieses Geschehen zugespielt. Zusammen mit dem Gesehenen in einem kleinen urwald-ähnlichen Gelände in der Nähe von Zetel sind mir dazu wieder kleine Geschichten eingefallen. Eine davon habe ich Euch hier aufgeschrieben und freue mich, wenn sie Euch gefällt.

                                  Der Zauberwald  -  (K)ein Traum

 Wie so oft schon, brauchst du unbedingt mal wieder frische Luft. Du bist der Meinung, dass sich heute wieder alle mal gegen dich verschworen haben. Früher war das doch anders! Oder? Du gehst deshalb hinaus vor die Stadt. Dort in dem grossen Park findest du bestimmt ein ruhiges Plätzchen, um einfach mal deinen Gedanken nachhängen zu können.

Durch das grosse schmiedeeiserne Tor betrittst du den Park und findest auch gleich eine freie Bank, die dich zum Verweilen einlädt. Schön ist es hier. Du sitzt direkt an einem kleinen, mit Kies ausgestreuten Weg. Neben dem Weg führt ein gepflasterter Fahrradweg entlang. Eine Weile schaust du dem Treiben zu. Du betrachtest dir die noch voll in Blüte kleinen Rhododendren-Sträucher. Es ist ein schöner Tag und die Sonne scheint.

 

 Bild: Eingangsbereich Neuenburger Urwald, Zetel/Friesland

Es war ein erlebnisreicher Nachmittag und wieder mal hat uns der Zufall (es ist uns zu-gefallen) dieses Geschehen zugespielt. Zusammen mit dem Gesehenen in einem kleinen urwald-ähnlichen Gelände in der Nähe von Zetel sind mir dazu wieder kleine Geschichten eingefallen. Eine davon habe ich Euch hier aufgeschrieben und freue mich, wenn sie Euch gefällt.

                                  Der Zauberwald  -  (K)ein Traum

 Wie so oft schon, brauchst du unbedingt mal wieder frische Luft. Du bist der Meinung, dass sich heute wieder alle mal gegen dich verschworen haben. Früher war das doch anders! Oder? Du gehst deshalb hinaus vor die Stadt. Dort in dem grossen Park findest du bestimmt ein ruhiges Plätzchen, um einfach mal deinen Gedanken nachhängen zu können.

Durch das grosse schmiedeeiserne Tor betrittst du den Park und findest auch gleich eine freie Bank, die dich zum Verweilen einlädt. Schön ist es hier. Du sitzt direkt an einem kleinen, mit Kies ausgestreuten Weg. Neben dem Weg führt ein gepflasterter Fahrradweg entlang. Eine Weile schaust du dem Treiben zu. Du betrachtest dir die noch voll in Blüte kleinen Rhododendren-Sträucher. Es ist ein schöner Tag und die Sonne scheint mit voller Kraft aus einem blauen Himmel.

Bild: Bürgerpark Bremerhaven

Viele Menschen hat es heute nach draussen gezogen. Auch wenn es wochentags ist, sind viele Leute unterwegs. Zu Fuss, mit dem Fahrrad. Manche gehen zügig, wahrscheinlich benutzen sie den Parkweg als Abkürzung, um zu ihrem Ziel zu kommen. Andere wiederum schlendern den Weg entlang, bleiben immer mal wieder stehen. Zwei Jogger joggen an dir vorbei. Muttis mit Kinderwagen oder kleinen Kindern an der Hand spazieren vorbei und bleiben vor dem kleinen Tiergehege stehen. Gleich sind die kleinen Zicklein da, um sich einen kleinen Apfel oder eine Möhre abzuholen. Fahrradfahrer, mit und ohne Helm, radeln an dir vorbei. Ganz Eilige darunter setzen lautstark ihre Klingel ein und überholen zügig die langsam fahrenden. Still lächelst du vor dich hin und kannst für einen Moment die Hektik nicht verstehen. Wieder bist du der Meinung, dass es früher anders war. - Langsamer und ohne Hektik.

 Dein Blick schweift umher. Da drüben, gerade gegenüber deiner Bank, beginnt ein kleiner Weg durch den Blätterwald. Merkwürdig, dieser Weg ist dir bei deinen bisherigen Besuchen hier noch nie aufgefallen. Du erhebst dich von der Bank und läufst hinüber. Da, ein Schild „Weg durch den Urwald“, steht darauf. Der Pfad, der hier beginnt ist schmal und über ihm wölbst sich ein herrlich grünes Dach aus Blättern. Immer wieder wirft die Sonne ihre Strahlen durch das Blätterdach, so dass der Wald in vielen Farben schattiert. Kurz überlegst du, dann siegt die Neugierde und du begibst dich auf eine Wanderung durch den Urwald.

Links und rechts des Weges liegen umgestürzte Bäume, zum Teil schon verfallen. Darüber erheben sich aber neue junge Bäume in frischem Grün. Dazwischen wachsen wilde bunte Rhododendren, die sich in Grösse und Farben deutlich von denen unterscheiden, die dir bekannt sind.

Immer tiefer führt dich dein Weg durch den Urwald und das Gestrüpp wird immer dichter. Die Sonne sorgt mit ihren Strahlen ständig mit neuen Licht- und Schattenspielen im Blätterwald. Fasziniert schaust du diesem Schauspiel zu. Längst hast du die Zeit vergessen und längst hättest du umkehren müssen, um nach Hause zu gehen. Doch etwas treibt dich an, immer weiterzugehen. Zu faszinierend ist diese Gegend. Dann und wann bleibst du stehen und lässt die Schönheit der Gegend auf die wirken.

 

Bild: Neuenburger Urwald, Zetel/Friesland

Nachdem du eine ganze Weile durch den wunderschönen Wald gegangen bist, lichtet sich das Dickicht vor dir und du stehst am Rande eines kleinen Weihers, an den sich weitflächig eine Wiese anschliesst. Eine Weide ragt mit ihren anmutigen Ästen in das Wasser hinein, ein anderer Baum erhebt sich aus dem Wasser in einer bizarren Form. Es ist ein wunderschöner Anblick. Du setzt dich auf einen breiten Baumstumpf am Uferrand. Du schaust auf das grün schimmernde Wasser, in dem sich die Sonne spiegelt und auf die wunderschönen alten Bäume. Ein leichter Wind geht durch die Bäume und bringt die Äste zum Wippen. Du hast den Eindruck, dass dir die Bäume zuwinken. Es ist so friedlich an diesem Ort. Du bist einfach nur glücklich und möchtest ewig hier sitzen.

 Plötzlich steht eine Frau neben dir und fragt, ob sie sich zu dir setzen darf. Du hast sie gar nicht kommen hören und schaust erschreckt auf. Noch bevor du antworten kannst, hat sie sich zu dir gesetzt. Das ist dir gar nicht so recht, denn du wolltest eigentlich dein Alleinsein geniessen und der Baumstupf ist auch nicht sehr breit. Doch die Frau schaut dir freundlich ins Gesicht und lächelt dich an. Du lächelst still zurück und betrachtest sie unverhohlen. Es ist eine ältere Frau mit grauen Haaren, die sie geschickt unter einer altmodischen blauen Haube festgesteckt hat. Ihr Gesicht ist faltig, genau wie ihre Hände, die aus den weiten Ärmeln eines blauen, ebenso altmodischen Kleides herausschauen. Das Gewand reicht bis fast zu den nackten Füssen, an denen die Frau Holzpantinen trägt. Einen braunen Weidekorb, der mit einem baumwollenen weissen Tuch abgedeckt ist, hat sie neben sich auf den Boden gestellt. Seltsam, die Frau wirkt auf dich wie ein Wesen aus der Vergangenheit.

Du fragst die Frau, woher sie denn komme. Sie antwortet nicht sofort, sondern schaut dir erst prüfend ins Gesicht. Dann antwortet sie in einem dir unbekannten, fast unverständlichen Dialekt, dass sie aus dem Nachbarort komme. Dann schweigt sie wieder. Wiederum versuchst du mit ihr ins Gespräch zu kommen, doch sie kramt nur stumm in ihrem Korb. Dann nimmt sie den Korb hoch, hält ihn dir entgegen und entfernt das Tuch. Du schaust hinein und siehst wunderschöne Rosen- und Rhododendrenblüten in allen Farben. Die Rosen verströmen einen betörenden Duft, den du tief einatmest.

Dann spricht die Frau zu dir und du kannst sie jetzt gut verstehen. „Mein liebes Kind“, spricht sie. „Es ist hier eine wunderschöne Gegend, sie ist jedoch Vergangenheit. Du lebst jetzt -  im hier und heute. Und du gehst deinen Weg in Richtung Zukunft. Du kannst diesen Weg frei von jeglicher Furcht gehen, denn du wirst behütet und beschützt. Dein Schutzengel und die Geistige Welt werden dich stets begleiten, dich stützen, wenn du strauchelst und dir den Weg weisen, wenn du nicht weiter weisst. Gerne kannst du mit Liebe und Ehrfurcht an Vergangenes denken und dich manchmal zurückträumen. Doch die Gegenwart ist jetzt und Altes ist vergangen und vorbei.“ Sie greift in ihrem Korb und gibt dir eine von den duftenden Rosenblüten. Mit ihren grauen Augen schaut sie dir liebevoll ins Gesicht und streichelt dir über das Haar. Du fühlst dich dabei sicher und geborgen. Du schliesst die Augen, um dieses wunderbare Gefühl zu geniessen. Als du die Augen wieder öffnest, bist du alleine.

 Bild: Neuenburger Urwald, Zetel/Friesland

Du erhebst dich, um nun doch den Weg nach Hause zu gehen. Was dir die Frau sagte, hat dich nachdenklich gemacht. Ja, oft möchtest du dich in der Vergangenheit verkriechen, jedoch die Gegenwart hat dich nur allzu oft wieder eingeholt. Die Frau hat dich daran erinnert, dass du immer behütet und beschützt wirst. Warum nur vergisst du das immer wieder?

 Bald hast du deinen Ausgangspunkt erreicht. Diesen Weg durch den Urwald musst du dir merken, hier willst du wieder einmal her. Nur dort auf dem kleinen Bänkchen willst du noch einen kleinen Augenblick ausruhen. – Du erwachst, weil dich jemand sanft an der Schulter anfasst. Du schreckst hoch und schaust in graue gütige Augen in einem faltigen Gesicht. Eine ältere Frau mit einem sportlichen Fahrrad steht vor dir. Sie spricht dich an: „Hallo, liebes Kind, gleich fallen Sie von der Bank. Ihre Rose ist schon runtergefallen.“ Sie bückt sich und reicht dir eine duftende Rosenblüte. Du schaust die Frau an. Sie trägt einen sportlichen blauen Radleranzug und einen blauen Fahrradhelm. Du bist ganz perplex und schaust ganz entgeistert auf die Rosenblüte. Die Frau wirft dir eine Kusshand zu, schwingt sich gelenkig auf ihr Fahrrad und radelt schnell davon.

Du erhebst dich von der Bank und machst dich auf den Rückweg. Seltsam, vorhin bist du doch von dieser Stelle aus in den Urwaldpfad gegangen. Jetzt siehst du den Weg nicht mehr. Oder blendet dich nur die untergehende Sonne, die dir direkt ins Gesicht scheint? Egal! Die Rosenblüte erinnert dich an das Erlebte. Oder war es doch nur ein Traum? Sei es wie es will, du weisst, dass du heute deinem Schutzengel begegnet bist. Er wird dich auf allen Wegen begleiten und beschützen.

                 Ich wünsche Euch allen eine gute Zeit mit viel Licht und Liebe

 Eure Rita