Energie- und Lichtarbeit & Spirituelle Lebensberatung

Licht und Schatten

Titelbild: Mit freundlicher Genehmigung von Sascha Kern, Nordsee-Urlaubsparadies, Butjadingen

Geht es dirh manchmal auch so, dass du meinst, die ganze Welt hat sich gegen dich verschworen? Und gerade, wenn man meint, es geht nix mehr, erscheint der berühmte silberne Streif am Horizont. Oder du weinst voller Trauer. Da kommt plötzlich ein guter Freund oder ein kleines Kind und macht dich mit seinen Bemerkungen wieder fröhlich. Oder man setzt sich mit guter Laune und dünn bekleidet ins Grüne, macht es sich gemütlich, und da verschattet eine dicke Wolke die Sonne. Es wird kalt. Solche Dinge sind mir  eingefallen, als wir das Wechselspiel mit der Sonne und den Wolken immer wieder an der Nordsee erlebten.

Es ist die Dualität unseres Lebens, die wir immer wieder erleben. Wir leben in einer dualen Welt. Auch wenn manche Lichtarbeiter sagen, dass die Dualität in der geistigen Welt nicht exisitert und wir in der Illusion der Dualität leben. Ohne die Dualität könnten wir Gutes nicht von Schlechtem unterscheiden.

Ich wünsche Euch von Herzen eine schöne Sommerzeit mit viel Licht und wenig Schatten. Und mit viel Liebe. Eure Rita

  Bild: Mit freundlicher Genehmigung von Annemarie Cornelius, Melkhus Seeverns

Licht und Schatten

Eine Traumreise

Hochsommer – Es ist früher Nachmittag. Heiss ist es draussen, drinnen in den Zimmern und Räumen steht die Luft. Es ist dir viel zu viel des Guten. In deiner Wohnung oder auf Deinem Arbeitsplatz ist es ungemütlich warm. Eine Klimaanlage hast nicht oder magst das nicht. Und so machst du dich auf, um einen kühleren Ort für die nächsten Stunden zu finden, bis vielleicht die Abendstunden ein wenig Abkühlung bringen. Dieses Extreme verstehst du nicht. In den letzten Tagen hat es so viel geregnet und dann wurde es gleich wieder so heiss.

Du besuchst den kleinen Wald, der sich ein Stück von Deinem Wohnort befindet. Vom Parkplatz aus strebst du zügig den nächsten Waldweg an. Schon nach den ersten Schritten in den Welt hinein umgibt dich kühlere Luft. Rechts und links des Weges wachsen hohe Nadelbäume. Fast ist es dir schon wieder zu dunkel in diesem Waldstück. Doch tief atmest du die würzige Waldluft ein. Das tut richtig gut.

Bild: Waldstück bei Weilheim/Obb.

Zwischen den dunklen Bäumen schimmert ab und zu die Sonne durch und wirft ein geheimnisvolles Licht auf den Waldboden. Von Ferne ruft ein Kuckuck und irgendwo hämmert ein Specht in den Bäumen. Längst hast du den Weg verlassen und läuft neben dem Weg entlang auf dem weichen Waldboden, der übersät ist mit abgefallenen Baumnadeln. Dicke Moospolster ragen aus dem Boden, auf denen sich kleine und grosse Insekten tummeln. Du bückst dich, um dem emsigen Treiben zuzuschauen.

Grosse Ameisen, beladen mit kleinen Tannennadeln oder winzigen Holzstücken, anscheinend auf dem Weg zu einem Ameisenhaufen. Käfer bahnen sich anscheinend planlos einen Weg zwischen den herabgefallenen Nadeln und dem Moos. Kleine Mücken fliegen dazwischen umher. Auf den moosfreien Flächen schauen Pilze hervor. Kleine violette Blümchen wachsen zwischen den Bäumen und bilden kleine Felder. Du bist von der Vielfalt dieses Waldstückes tief beeindruckt.

Das Licht der Sonne bricht immer wieder durch die hohen Zweige der Bäume und wirft Licht und Schatten auf dich und dein Umfeld. Du erhebst dich und gehst vorsichtig zurück auf den angrenzenden Waldweg. Wie ein Eindringling kommst du dir zwischen den zahlreichen Insekten und den kleinen Gewächsen vor. Du möchtest diese kleine heile Welt nicht beschädigen und wirst lieber auf dem Waldweg weiterwandern. Auch während deiner Wanderung treibt die Sonne immer noch ein Schattenspiel. Manchmal ist es fast dunkel, dann wieder fallen die Sonnenstrahlen auf dich und du fühlst dich wie geblendet.

Nach einer ganzen Weile öffnet sich der Wald vor dir und du stehst am Waldrand, dem sich eine kleine schmale Wiese anschliesst. Am Ende der Wiese ist der kleine Weiher, den du so liebst. Schnell hast du ihn erreicht und schlenderst an ihm entlang. An einer Stelle sind mehrere grob gezimmerte Holzbänke aufgestellt und du lässt dich auf einer Bank nieder. Jetzt schaust du dem Treiben auf dem kleinen Weiher zu. Wildenten paddeln auf dem Wasser. Frösche quaken. Im Wasser siehst du dicke Karpfen ihre Runden ziehen.

Du siehst aber auch, dass auf der anderen Seite des Weihers wohl ein Parkplatz errichtet wurde. Einige Autos, bestimmt von Wanderern, stehen dort und auch einige Motorräder. In der Nähe des neuen Parkplatzes siehst du einige Holzbänke mit Tischen stehen. Einige wenige Menschen haben dort Platz genommen, um mitgebrachten Proviant oder Getränke zu verzehren und auch einige Kinder siehst du zwischen den Bänken herumrennen.

Du schüttelst den Kopf. Warum nur hat man hier die Natur nicht in Ruhe gelassen? Bestimmt wird der Lärm auf dem Parkplatz nach und nach die Idylle vertreiben. Warum kann man denn hier nicht alles beim Alten lassen? Du verstehst das nicht.

Bild: See im Bürgerpark Bremerhaven

Mittlerweile hat die Sonne schon eine ganze Weile ihren Zenit überschritten. Sie steht jetzt schräg am Himmel und ihre Strahlen fallen dir voll ins Gesicht. Heiss ist es dir und doch streckst du es mit geschlossenen Augen der Sonne entgegen. Kleine Wolken, die am Himmel entlang ziehen, sorgen auch jetzt für ein Licht- und Schattenspiel. Immer wieder spürst du die Sonne auf deiner Haut und dann wieder ziehen Schatten darüber.

„Guten Tag“, sagt da plötzlich jemand in deiner Nähe. Du öffnest die Augen und blinzelst erst einmal. Durch die Sonnenstrahlen kannst du nur unscharf eine Gestalt in schwarz erkennen. Als nach einer kleinen Weile dein Blick wieder klarer wird, siehst du einen Mann in einer schwarzen Motorrad-Montur am Ufer stehen. In der Hand trägt er einen weissen Motorradhelm und sein langes weisses Haar hat er zu einem Schwanz gebunden. Der Mann geht am Uferrand in die Hocke und schaut auf das Wasser.

Dann erhebt er sich, grüsst noch einmal in deine Richtung und setzt sich dann auf die nächste Bank. Beide schaut ihr schweigend aufs Wasser. Ein Wildentenpaar paddelt vor euch auf dem Wasser zum Ufer und watschelt dann in deine Nähe. Dort lassen sich die beiden nebeneinander nieder und schnattern leise vor sich hin.

Dichter werden die Wolkenberge am Himmel und verdüstern immer mehr die Sonne, die kaum noch die Kraft hat, sich durch die Wolken durchzusetzen. Fast fröstelt es dich, wenn sich die Wolken wieder vor die Sonne schieben und dunkle Schatten auf dich fallen. Es bricht dann aus dir heraus und du beklagst dich wohl mehr bei dir selbst, ob dieser Schattenspiele.

Der Mann auf der anderen Bank hört amüsiert deinen Klagen zu. Dann steht er auf und setzt sich ungefragt neben dich. Du verstummst und musterst ihn von der Seite. Ja, er ist wohl schon ein älteres Semester. Sein Gesicht ist braun gegerbt und um die Augen hat er tiefe Falten. Buschige weisse Augenbrauen trägt er über den Augen. Seine weissen Haare stehen in tiefem Kontrast zu seiner schwarzen Lederkleidung und dem weissen Helm.

Auch er schweigt eine Weile. Dann spricht er zu dir: „Weisst du denn nicht, dass wir in einer dualen Welt leben? Wo Licht ist, ist auch Schatten. Wo Gutes ist, kann auch Böses sein. Und wo Freude ist, war vielleicht vorher Leid.“ Du schaust ihn an und fragst, warum das denn so sein muss. Er schweigt eine Weile und spricht dann wieder: „Jedes Ding hat eine gute und eine schlechte Seite. Es kommt immer auf den Blickwinkel an, aus dem wir die Sache betrachten. Weisst du, wenn wir nur eine Seite kennen würden, wüssten wir doch gar nicht, wie es anders wäre. Diese Erfahrung müssen wir in einer dualen Welt nun mal machen. Es obliegt an jedem von uns, aus einer Sache das Beste zu machen und sie zum Guten zu bewegen. Würden wir nur eine Seite kennen, könnten wir das doch gar nicht. Wir könnten gar nicht wertschätzen, was wir in guten Zeiten erleben, wenn wir die schlechte Zeit nicht kennen würden.“

Du bist sehr betroffen. So hast du das noch gar nicht gesehen. Du schaust den Mann an. Gerade jetzt scheint die Sonne wieder voll vom Himmel. Es sieht fast aus, als ob der Mann in einem strahlenden Lichterkranz steht. Ein faszinierender Anblick.

Der Mann erhebt sich. „Ich muss weiter“, spricht er. „ich habe heute noch viel vor.“ Er verabschiedet sich von dir und reicht dir die Hand. Dann sagt er: „Denke mal darüber nach, was ich dir gesagt habe. Wenn du meinst, es geht dir nicht gut, dann erinnere dich an gute Zeiten und dass es dir bald wieder besser gehen wird. Denke an die Dualität. Doch die Dualität ist auch eine Illusion.

Bild:Mit freundlicher Genehmigung von Annemarie Cornelius, Melkhus Seeverns 

Der Mann nimmt seinen Motorradhelm, den er auf der Bank abgelegt hat, und geht. Es verwundert dich ein wenig, dass er nicht Richtung Parkplatz geht, sondern zu dem kleinen Waldweg, durch den du hergekommen bist. Du schaust ihm nach, bis er sich noch einmal umwendet. Wieder wirft die Sonne so ihr Licht auf ihn, dass du deutlich einen Strahlenkranz um ihn herum erkennen kannst.

Deine Aufmerksamkeit wird in dem Moment abgelenkt, da die Entchen in deiner Nähe laut quakend aufgestanden sind und sich Richtung Weiher aufmachen. Nur kurz schaust du zu ihnen, bis sie schnell im Wasser sind und eilig davon schwimmen. Dann schaust du wieder zum Wald, doch der Mann ist verschwunden. Einige Momente leuchtet es kurz aus dem Wald auf, dann ist es wieder dunkler, denn gerade hat sich die Sonne wieder hinter einer dicken Wolke versteckt.

Es ist spät geworden. Drüben auf dem Parkplatz ist der Lärm verstummt und kaum noch ein Auto steht da. Nachdenklich geworden machst du dich auf den Heimweg. Du wirst an die Dualität denken, wenn das Leben dich wieder von zwei Seiten behandelt: Von der guten und von der weniger guten Seite. Und

Du wirst daran denken, wenn du mal wieder weinen musst. Du wirst dann wissen, dass du bald auch wieder lachen kannst. Und wenn es in deinem mal Leben duster ist, so wird auch bald die Sonne wieder scheinen.

 Rita Scherer-Jung