Märchenwelt

Titelbild: Neuenburger Urwald, Zetel/Friesland

Elfen, Nymphen, Zwerge, Frau Holle, Rumpelstilzchen. Wer erinnert sich nicht an die Märchen unserer Kindertage. Es war doch wunderschön, der Mama, der Oma oder einer Tante zuzuhören, wenn sie Geschichten vorgelesen haben oder erzählten. Bestimmt hat jeder von euch ein dickes Märchenbuch gehabt und hat, sobald man lesen konnte, die Geschichten selbst nachgelesen.

 Ich weiss es noch genau, obwohl es weit über 50 Jahre her ist. Oft war ich bei meiner Oma in Lämmerspiel zu Besuch. Sie besass ein altes Märchen- und Sagenbuch. Das habe ich mir fast bei jedem Besuch geholt. Habe mich dann ins kleine Wohnzimmer auf das alte Kanapee zurückgezogen und gelesen. Da hörte und sah man mich nicht. Eines Tages kam meine Oma in die Wohnstube und erschrak, als sie mich bemerkte. Sie sagte mir dann, dass sie einkaufen war und mich nicht mehr gehört hatte, auch als sie nach mir rief. Sie vermutete mich deshalb bei meiner Tante im ersten Stock. Und so schloss sie Wohnungstür ab und ging weg. Ob ich denn nicht mal raus gewollt hätte. Ich verneinte dies. Ich war so in der Märchenwelt gefangen, dass ich weder ihr Rufen hörte, noch merkte, dass sie wegging und wieder zurückkam.

Und heute? Gerne möchte ich mich immer mal wieder in die Märchenwelt zurückziehen. In das Reich der Feen und Elfen, der Kobolde und Naturgeister, der märchenhaften Wesen wie Schneewittchen oder Aschenputtel. Wer von euch möchte das auch?

 Wir Lichtarbeiter glauben, dass die Welt der Naturgeister real ist. Wir können sie nur nicht immer sehen. Nur feinfühlige Menschen oder die Lichtarbeiter, die sich in eine höhere Schwingung versetzen können, werden diese Anderswelt erleben oder zumindest erahnen. Aber immer wieder können wir uns in diese Welt, die von vielen Engeln bewacht und beschützt wird, träumen. Und wir können auch davon träumen, wie es ist, Prinz oder Prinzessin zu sein.

 Ich lade euch deshalb heute ein, beim Lesen meiner neuen Geschichte mir in das Reich der Märchenwelt zu folgen. Ich freue mich, wenn euch die Geschichte gefällt.

 

 

Märchenwelt -  Eine Traumreise

 

Lachend und schwatzend schliesst du dich der Ausflugsgruppe an. Es ist ein lustiges Völkchen, das sich da am Treffpunkt zusammengefunden hat. Gemeinsam mit einem Führer wollt ihr einen Ausflug in den nahen, sagenumwobenen Wald machen. Hier in der Nähe sollen viele Märchengestalten gelebt haben. Schon lange hast du dich darauf gefreut und heute ist es endlich soweit. Der Führer ist endlich da und er trägt ein historisches Ritterkostüm. Ach, ist das romantisch. Jetzt geht es los. Gemeinsam stürmst du mit den anderen den kleinen Bus, der euch bis zum Wandrand bringen wird.

 

Schnell habt ihr euer Ziel erreicht und der Mann, der im Bus schon einige Anekdoten aus vergangener Zeit erzählt hat, versammelt seine Gruppe um sich. Er ermahnt euch, immer auf sein Kommando zu hören und ihm zu folgen, so dass niemand verloren geht. Wer soll denn hier in diesem belebten Wald verloren gehen, denkst du innerlich. Viele Einzelbesucher und Besuchergruppen wählen hier vom Waldrand den Weg in den verwunschenen Märchenwald. Es ist doch so belebt und es ist bestimmt ganz einfach, den Weg zum Bus, der hier auf dem kleinen Parkplatz auf euch warten wird, zu finden.

 Dann setzt sich die Gruppe in Marsch. Los geht es auf gut befestigten Waldwegen immer tiefer in den Forst. Ihr kommt vorbei an dunklen, dicht stehenden Bäumen, die kaum Licht auf den Weg fallen lassen und dann kommen wieder lichte Blätterbäume, durch die das Sonnenlicht wie in Strahlen zur Erde fällt und helle Kringel auf den Boden malt. Die Bäume werden immer bizarrer. Manche sehen aus, als hätten sie lustige oder ernste Gesichter. Mittlerweile ist eure Gruppe allein. Die grosse Menschentruppe hat sich ganz schnell auf den vielen Wanderwegen verteilt.

 

Immer wieder bleibt euer Guide stehen und erläutert mit einer kleinen Geschichte den Ort oder Platz. Es macht Spass, ihm zuzuhören. Es macht aber auch viel Freude, diese Bäume mit dem seltsamen Aussehen zu betrachten. Ab und an bleibst du mal stehen, um dir ein Gewächs oder ein Gestrüpp näher anzusehen und lässt die Gruppe alleine weitergehen. Manche rufen dann nach dir und fordern dich zum Nachkommen auf.

 

Bild: Neuenburger Urwald, Zetel/Friesland

Als du dann einen Moment einen seltsamen lila-farbenen Pilz am Boden näher anschaust und dich dann der Gruppe wieder anschliessen willst, ist es passiert. Du hast die Gruppe verloren. Vor dir ist eine Weggabelung mit drei Möglichkeiten. Der Weg, der geradeaus führt, verläuft schnurgerade, da siehst du niemand. Die beiden anderen Wege führen nach links und rechts. Du entscheidest dich zunächst, nach links zu gehen. Dieser Weg verläuft bald nach dem Abbiegen in einer Kurve. Ein Stück läufst du weiter. Als der Weg aber beginnt, schmaler zu werden und nur noch durch unwegsames Gestrüpp führt, gehst du zurück und versuchst es an der anderen Seite. Auch dieser Weg verläuft schnell in einer scharfen Kurve. Beherzt gehst du weiter. Irgendwo muss der Weg mal enden. Der Guide sprach doch von einem netten Waldgasthaus, in dem ihr einkehren wolltet. Sicherlich kannst du da die Gruppe wieder erreichen.

Doch so einfach wird es dir nicht gemacht. Immer wieder gabelt sich der Weg. Und mit den ausgewiesenen Beschilderungen kannst du überhaupt nichts anfangen. Hier kennst du dich doch gar nicht aus. Du kommst vorbei an weiteren bizarren Baumgebilden, an dichten Sträuchern, an denen wilde Beeren wachsen und an Felsgestein, das zum Teil stark bemoost ist und dem ganzen Wald ein noch mysteriöses Aussehen gibt. Schon lange hast du den Blick für deine faszinierende Umgebung verloren und willst nur noch aus diesem Wald heraus.

Irgendwann kannst du nicht mehr. Völlig hilflos geworden, setzt du dich auf einen der bemoosten Felsen. Zum Glück hast du wenigstens eine Flasche Wasser dabei. Es ist sehr warm und du bist froh, dich an dem Wasser ein wenig erfrischen zu können. Dann sitzt du einsam und alleine auf dem Fels und stützt den Kopf in die Hände. Du haderst mit dir und deinem Leichtsinn. Und warum nur kommt hier keine einzige Gruppe oder wenigstens ein einzelner Spaziergänger vorbei? Was sollst du tun? Hier übernachten? Dich schauert schon alleine bei dem Gedanken.

Während du noch so vor dich hin sinnierst, spricht plötzlich eine Kinderstimme neben dir: „Hallo du da, geht es dir nicht gut oder weinst du?“ Du schaust auf und blickst in ein Kindergesicht. Der Junge, der vor dir steht, mag vielleicht 9 oder 10 Jahre sein. Er lacht dich herzlich an. Sein freundliches Gesicht ist voller Sommersprossen und unter der breiten, viel zu grossen Schirmmütze, die er trägt, schauen rote Haare hervor. Der Junge ist lustig gekleidet. Er trägt braune Knickerbocker mit langen dicken Strümpfen. Ein weites Hemd, das er in die Hose reingestopft hat. Die Hose wird von breiten Hosenträgern gehalten und an den Füssen trägt er richtig klobige Schuhe. Du denkst schon, welche Eltern kleiden ihr Kind heute so? Da reicht dir der Junge seine Hand und sagt: „Hallo, ich bin Hansi. Und wer bist du? Hast du vielleicht Hunger?“ Einladend hält er dir eine angebissene dicke Butterstulle entgegen. Du nennst deinen Namen und sagst, dass du nicht hungrig bist.

Noch bevor der Junge antworten kann, kommt ein kleines, vielleicht 6 Jahre altes Mädchen hinter einem der Felsen hervor und ruft mit heller Stimme: „Hansi, Hansi, so warte doch, meine Füsschen sind nicht so schnell.“ Dann siehst sie, dass Hansi bei dir steht, läuft schnell zu ihm und fasst ihn an Hand.

Wieder spricht der Junge: „Ach, das ist meine kleine Schwester Greta. Greta ist sehr ängstlich und dich kennt sie nicht. Da ist sie ängstlich.“ Du reichst dem kleinen Mädchen deine Hand, die sie zögerlich ergreift, aber dann doch herzlich drückt. Du musterst auch das Mädchen. Es ist genauso altmodisch angezogen wie ihr Bruder. Über einem schlichten grauen Hängekleidchen trägt sie eine helle Schürze, die jedoch einige Moosflecke aufweist. Sie trägt dicke lange Wollstrümpfe und genauso klobige unförmige Schuhe wie ihr Bruder. Ihre langen blonden Zöpfe sind zu lustigen Schaukeln gebunden, von denen sich jedoch etliche Haarsträhnen gelöst haben und als wilde Locken das niedliche Gesichtchen einrahmen. In der Hand trägt sie ein kleines abgedecktes Körbchen, in dem sich sicherlich selbst gesuchte Pilze oder Beeren befinden. Du bist nur am Staunen. Was machen diese beiden hier so alleine im Wald?

  

Bild: Neuenburger Urwald, Zetel/Friesland

 

 

„Wer ist das?“ fragt das Mädchen ihren Bruder. Bevor er antworten kann, erklärst du deine Situation und dass du durch deinen Leichtsinn deine Gruppe verloren und dich mittlerweile verlaufen hast. Die beiden Kinder setzen sich links und rechts von dir auf den Felsen. Hansi sagt: „Ach da brauchst du doch keine Angst haben. Wir haben uns schon oft verlaufen und haben immer wieder aus dem Wald gefunden. Stimmt es, Greta?“ Greta nickt zustimmend. Du fragst die beiden, ob sie denn alleine im Wald seinen. Hansi erklärt dir, dass seine Eltern auch im Wald seinen, sie würden Holz als Feuerholz suchen. Du denkst dir, dass das bestimmt für den offenen Kamin sei und fragst Hansi danach. Hansi antwortet: „Nein, wir befeuern damit unseren Ofen, damit unsere Mutter etwas für uns kochen kann. Was ist denn ein offener Kamin? Und warum bist du so anders gekleidet wie wir. Ist dir Abends nicht kalt in diesen dünnen bunten Sachen.“

Nun bist du doch sprachlos. Was sind denn dass für Kinder, aus welcher Welt kommen sie? Du fragst nun auch, wo die beiden wohnen. Hansi erklärt dir, dass sie in einem Holzhaus am Waldrand wohnen. Na das erklärt so einiges. Bestimmt ist die Familie im Urlaub hier und bewohnt ein uriges Ferienhaus, das mit Feuer beheizt wird. Und weil die beiden anscheinend so abenteuerlustig sind, haben sie sich bestimmt in diese alten Roben gesteckt.

Das Gespräch mit den Kindern lenkt dich etwas von deiner Sorge ab, dass du heute nicht mehr aus diesem Wald herausfindest. Es ist schon erstaunlich, dass sich die Kinder hier so zurecht finden. Aber wenn sie hier Urlaub machen, werden sie auch nicht alles kennen und dir nicht weiterhelfen können. Denn Hansi erwähnte gerade, dass sie gleich zurück zu ihren Eltern müssten.

Wieder überkommt dich die Sorge, die Nacht hier alleine im unbekannten Wald verbringen zu müssen und du machst ein sorgenvolles Gesicht. Da nimmt die kleine Greta deine Hand und drückt sie ganz fest. „Du musst doch nicht traurig sein, du bist doch nie alleine“, spricht die Kleine zu dir. Du antwortest, dass du froh bist, im Moment nicht alleine zu sein. Das kleine Mädchen spricht dann weiter zu dir: „Du bist nie alleine. Weisst du denn nicht, dass du einen Schutzengel hast? Der Schutzengel passt doch immer auf dich auf, damit dir nichts passiert. Er ist immer bei dir und beschützt dich. Wenn du ihn fragst, dann hilft er dir hier auch aus dem Wald. Ich bete jeden Abend zu meinem Schutzengel und bedanke mich, dass er auf mich acht gibt. Machst du das nicht?“

 Du bist ganz gerührt über das kleine Mädchen und drückst sie fest an dich. Das Mädchen schlingt ihre dünnen Ärmchen um deinen Hals und drückt dir einen dicken Schmatz auf die Wange. Dann lässt sie dich los, und ihr Bruder nimmst sie wieder an der Hand. Hansi sagt dann zu dir. „Ich glaube, wenn du diesen Weg – er deutet auf die gerade Strecke – weitergehst, dann endet der Wald sicherlich bald. Wir müssen jetzt zu unseren Eltern. Magst du Proviant mitnehmen?“ Wieder hält er dir seine angebissene Stulle entgegen.  Du bedankst dich lachend bei ihm und willst dich von den beiden verabschieden.

 Da deckt Greta ihr Körbchen auf und holt einen schönen grossen Lebkuchen heraus. Der sieht lecker aus. Er ist mit einem dicken Streifen Zuckerguss verziert und mit herzhaften Mandeln. „Schau“, sagt die Kleine, „nimm den Honigkuchen, Der schmeckt besser als die Brotstulle. Die Lebkuchen habe ich“, dann fängt sie an zu flüstern, „vom Haus der bösen Frau abgemacht, das da hinten steht“. Vage deutet sie in eine Richtung in das Waldinnere. „Da haben uns unsere Schutzengel auch beschützt, als wir uns den Honigkuchen vom Haus geholt haben und die böse Frau uns fangen wollte. Weil die Engel aufpassten, konnte uns die Frau nichts tun“.

 Hänsel Und Gretel, Süßwarengeschäft, Lebkuchen   Bild: pixabay

Etwas perplex nimmst du den Lebkuchen, den dir das kleine Mädchen erwartungsvoll entgegenstreckt, und bedankst dich bei ihr. Dann verabschiedest du dich endgültig von den beiden reizenden Kindern. Hansi zieht seine Mütze ab und winkt dir noch einmal zu. Die kleine Greta winkt mit den Händchen und ruft noch einmal. „Denke an deinen Schutzengel, er hilft dir“. Kurz darauf sind die beiden im Dickicht verschwunden.

Du wischst dir über die Augen. Hast du diese Begegnung geträumt? Nein, du hältst ja den dicken zuckrigen Lebkuchen noch in der Hand. Du gehst auf den Weg zurück, so wie Hansi es dir empfohlen hat und schreitest zügig voran. Und du sendest ein inniges Stossgebet an deinen Schutzengel, er möge dir doch aus diesem Irrgarten helfen. Kurz danach lichtet sich vor dir der Wald und du siehst ein Wirtshaus am Waldesrand stehen. Schnell gehst du dorthin und siehst auch schon deine Gruppe, die lebhaft diskutierend im grossen Wirtsgarten sitzt.

 

 Bild: Mit freundlicher Genehmigung von Annemarie Cornelius, Melkhus Seeverns

Als man dich kommt sieht, erheben sich der Guide und einige der Gruppe und kommen dir entgegen. Erleichtert über dein Erscheinen wirst du freudig begrüsst. Fragen erreichen dich wie „wo bist du abgeblieben“ oder „wo kommst du denn her, der Weg hier zum Wirtshaus ist doch gut ausgeschildert.“ Nur der Führer ist etwas ungehalten wegen deines Verhaltens und sagt dir, dass man gerade beratschlagt hat, wo man dich suchen könne. Du kannst ihn aber mit ein paar netten Worten schnell besänftigen, beschwerst dich aber, dass der Weg zum Gasthaus so schlecht beschildert ist. Etwas irritiert schaut dich der Guide an und sagt: „Wieso, da stehen im Wald doch überall bunte Schilder mit dem Hinweis nach hier. Und ausserdem sind wir einen Rundweg gegangen. Gleich hinter dem Wirtshaus ist der Waldparkplatz, an dem wir wieder abgeholt werden.“ Das verstehst du nicht, denn du konntest ja die Schilder an den Weggabelungen nicht deuten und wie ein Rundweg ist dir der lange Weg durch die Felsenlandschaft auch nicht vorgekommen.

Noch eine ganze Weile sitzt du in froher Runde in dem gemütlichen Biergarten. Du hast noch viel Spass und erst zu später Stunde bringt euch der Bus in eure Unterkunft zurück. Bestimmt wirst du heute Nacht gut schlafen und morgen ausgeruht und nach einem guten Frühstück zurück nach Hause reisen. Du wirst aber mit einem Dankgebet vor dem Zubettgehen an deinen Schutzengel denken. Im Bus auf dem Rückweg fragst du den Guide, wo sich denn die Ferienhäuser aus Holz in der Nähe des gerade besuchten Gasthauses befinden und ob diese wirklich so urig sind, wie es dir die Kinder beschrieben haben.

Der Guide schaut dich an und sagt: Dort, wo du vermutest, befinden sich weder Ferien- noch Holzhäuser. Die Ferienhaussiedlung befindet sich am anderen Ende des Waldes, bestimmt zehn Kilometer von dort entfernt. Aber warum fragst du?“ Du schweigst, denn du weisst nicht, was du antworten sollst. Die Begegnung mit den Kindern und das Gespräch mit der kleinen Greta über die Schutzengel hat dich tief berührt. Wer waren diese rätselhaften netten Kinder?

Den Rest der abendlichen Busfahrt bleibst du nachdenklich. Du nimmst dir jedoch fest vor, zukünftig immer zu deinem Schutzengel zu beten und bist sehr dankbar, dass du unter Gottes Schutz stehst und durch seine Engel behütet und beschützt wirst.

                                                                           

 Ich wünsche Euch allen eine gute Zeit mit viel Licht und Liebe und bleibt behütet durch eure Schutzengel. Eure Rita