Zugvögel

Butjadingen und die Zugvögel - 

Wir haben Mitte November. Und in wenigen Wochen haben wir Weihnachten. Das Jahr 2019 neigt sich dem Ende zu.

Willi, mein lieber Mann, und ich haben für die letzten Wochen im Jahr nochmal Kraft getankt, und zwar in unserer zweiten Heimat. Manche wissen bereits, wo sich die befindet. Es ist die Halbinsel Butjadingen in der Wesermarsch. Seit Jahren schon besuchen wir immer wieder dieses wunderschöne Fleckchen Erde, das zum niedersächsischen Wattenmeer gehört. Das niedersächsische Wattenmeer erstreckt sich vom Dollart, nahe der holländischen Grenze, bis hin nach Cuxhaven. Weite Landschaften, Siele, Mühlen in Form der Holländer-Galerien, Ebbe und Flut. Salzwiesen, Marschland und Moore kennzeichnen diese Gegend.

Dieses Mal sind wir hingefahren, als der Oktober schon etliche Tage alt war. Wir wollten wieder einmal die Zugvögeltage erleben. Zugvögeltage? Was ist das? Nun, von den vielen, vielen Zugvögel, manche brüten hoch im Norden wie Grönland, Island, Skandinavien, Nordsibirien, machen viele Millionen Vögel – ja, Millionen!! – Rast an der Nordseeküste, um sich auf ihrem weiteren Weg in ihr Winterquartier zu stärken. Natürlich sind diese Vögel nicht alle auf einmal da. Diese Reise in den Süden beginnt bereits im Sommer. Einige Arten verbringen nur wenige Tage an der Küste, andere wieder halten sich einige Wochen oder Monate auf. In dieser Zeit fressen sie sich etwa das Doppelte ihres eigenen Körpergewichts an, um für die weitere Reise in südlichere Gefilde gestärkt zu sein. Viele Zugvögel wagen sich bis nach Afrika und dort bis hinunter nach Südafrika. Natürlich wiederholt sich die Rast während der Rückkehr im April oder Mai.

Seit einigen Jahren bieten die meisten Gemeinden an der gesamten Nordsee zahlreiche Veranstaltungen an: Sachkundige Führungen ins Wattenmeer oder zu interessanten Aussichtspunkten, Fahrten mit Schiffen und Booten, Ausstellungen, Musikveranstaltungen, Theateraufführungen, Frühstücks- oder Abendbuffets mit Vorträgen, Film- und Dia-Shows und vieles mehr. Diese Veranstaltungen erstrecken sich über eine gemeinsame Woche im Oktober und bieten viel Abwechslung. In einigen Gebieten werden am Rande zum Watt Beobachtungstürme aufgestellt, so wie z.B. im nahen Varel. Natürlich kann man auf eigene Faust planen und unternehmen.

In jedem Jahr ist ein Zugvogelland das Partnerland. Die angebotenen Buffetts beinhalten zumeist auch Spezialitäten des Partnerlandes. In diesem Jahr war es Estland. Zur Eröffnung wurde u.a. bei uns in der Nähe im Mühlencafe an der Seefelder Mühle in Stadland ein estländisches Frühstück angeboten, dem sich ein Diavortrag anschloss.

Bereits im Spätsommer habe ich von daheim aus für Willi und mich zwei Plätze für diese beliebte Veranstaltung gebucht. Nachdem sich alle Gäste ausgiebig am Buffett gelabt hatten, begann der interessante Vortrag mit Bildershow. Wir lernten den Zugvogel des Jahres kennen, die Trauerente, und konnten uns ein Bild über diesen Zugvogel machen. Die Trauerente hat sich die Nordsee als Winterquartier ausgesucht und macht dafür in Estland Zwischenstation. Den kurzen Sommer über verbringt sie in der Tuntra. Den Winter bleibt sie dann an der Nordsee und lebt hier im Wasser. Ans Land kommt sie äusserst selten.

Wir lernten ausserdem einiges über Estland und die Bewohner. Selbst wenige kurze estländische Begriffe wurden uns beigebracht. Die Sprache ist eng mit dem Finnischen verwandt, und ich habe dann selbst noch ein paar Begriffe nachgelesen. Eine Begrüssung ist noch relativ einfach. Hallo wird mit Hey! übersetzt. Die Frage: „wie geht es dir“ heisst dann Kuidas käsi käib? Und „sprichst du estnisch?“ heisst übersetzt: Kas Sa räägid eesti keelt?

Die estnische Küche ist deftig-heftig, also eine gute Hausmannskost. In Estland wird oft schon zum Frühstück warm gegessen. Kleine Pfannkuchen, Omelett mit verschiedenen frischen  Pilzen, eingelegte Gurken, marinierter Fisch gehören dazu. Natürlich habe ich viele Leckereien versucht. Besonders angetan hatte es mir ein Brei, zubereitet aus dem traditionellen estnischen Kama-Mehl, das mit Joghurt, Nüssen und Josta-Beeren angereichert war. Das Kama-Mehl wird aus verschiedenen gemahlenen Getreiden und Hülsenfrüchten hergestellt und geröstet. „Jätku leiba“ (möge ihr Brot reichen) sagen die Esten, wenn sie einen guten Appetit wünschen.

Jetzt bin ich von den Zugvögeltagen aber ganz schön abgeschweift. Auf jeden Fall haben wir während unseres Aufenthaltes in Butjadingen wieder viel gesehen und erlebt. Wir haben kleine Ausflüge in die nähere Umgebung gemacht und sind viel spazieren gegangen. Das Wetter war an den meisten Tagen sehr sonnig, jedoch wie üblich in dieser Jahreszeit, oft sehr windig, manchmal stürmisch. Der Wind gehört nun mal an der Nordsee dazu, egal zu welcher Jahreszeit. Später im Jahr finden sich dann oft kräftige Herbststürme ein. Davon erzähle ich aber ein andermal.

Den Zugvögeltagen schlossen sich die Lichterabende an. In einigen Bereichen der bereits erwähnten Gegend wurden nachts durch Lichtkünstler besonders schöne Gebäude oder Gegenstände kunstvoll beleuchtet. Begleitet wurde das durch ein Rahmenprogramm, z.B. durch Musik, Taschenlampenführungen durch das Nationalparkhaus oder durch eine Mühle, mit Geschichten erzählen, Piratenbesuchen u.v.m. Auch davon erzähle ich ein anderes Mal.

Während unserer Spaziergänge, die wir auch im weiten Marschland unternommen haben, sind uns stetig Scharen von Zugvögeln begegnet. Sei es als Formation am Himmel oder in Gruppen im Watt oder auf den Feldern. Selbst Störche konnten wir beobachten. Uns wurde dann gesagt, dass immer mehr Störche im Land überwintern und nicht mehr in den Süden fliegen. Ein Fernglas war unser stetiger Begleiter. Von den Deichen aus konnte man damit gut die Vögel im Watt beobachten. Wie oft aber haben wir oben aufm Deich gesessen, die Herbst-Sonne genossen und tief die salzhaltige Luft eingeatmet. Am Himmel konnten wir dicke schnellziehende Wolken sehen und ein vielfältiges Wechselspiel der Sonne. An anderen Tagen wieder war der Wind so stark, dass man beim Laufen dagegen ankämpfen musste. Oder es ging aus heiterem Himmel ein Platzregen nieder. Irgendwie war das Wetter wie im April.

In der Stille der Deich-Landschaften lässt sich gut meditieren. Hier habe ich viel Kraft von oben erhalten und habe mich der Geistigen Welt und den Engeln sehr nahe gefühlt. Gerne habe ich mich  in den Wind gestellt und die Stärke der Natur gefühlt. Oder ich habe mal wieder Bäume umarmt. Das alles hat Willi und mir sehr gutgetan. Und nun sind wir wieder zurück im Hessenland und freuen uns schon wieder auf unseren nächsten Besuch im wunderschönen Butjadingen. Wir haben wieder viele schöne Erinnerungen mitgebracht und sind voller Dankbarkeit, dass wir so viele schöne Dinge erleben durften und gesehen haben. Wir haben zudem das grosse Glück, dass Willi’s lieber Bruder, also mein Schwager Klemens, während unserer Abwesenheit hier unten die Stellung hält. Dafür sind wir besonders dankbar.

Ich wünsche euch allen noch schöne November-Tage. Denkt alle daran, dass wir von der Geistigen Welt behütet und beschützt werden. Lichtvolle Tage, Eure Rita